Husserl konstruiert die Geschichte des Abendlandes als eine Verfallsgeschichte der Wissenschaft. Dabei sind die beiden Größen auf der Wertungsskala in positiver Hinsicht ‚die Nähe zur Lebenswelt‘ und in negativer die mathesis universalis. Sein Vorgehen wirft mehrere Fragen auf: (1) Inwiefern ist sich Husserl der methodischen Probleme bewusst, vor der eine jede Darstellung und Wertung des Gesamtgeschichtsverlaufs steht? (2) Folgt Husserl in seiner Darstellung der Geschichte der Wissenschaften des Abendlandes als einer Verfallsgeschichte dem Muster seines Schülers Heidegger, wie dieser es etwa in Sein und Zeit durchführt?
Husserl führt den Bezug zur Philosophie als ‚Glaubensfrage‘ ein. Dies lässt sich derart verstehen, dass er einen erkenntnistheoretischen Konstruktivismus vertritt: Es ist der Mensch mit seinen Deutungsleistungen, der etwas zu etwas für sich macht. Gleichzeitig meint Husserl, dass sich durch eine geschichtsphilosophische Betrachtung der Genese der Krisis des Glaubens an die Allgemeingültigkeit der Philosophie etwas zeigen ließe, dass den Menschen dazu bringt, eine bestimmte (nämlich, die richtige) Perspektive auf die (Philosophie-)Geschichte einzunehmen. Wie soll man sich – Angesichts des deutungstheoretischen Rahmens Husserls – den Status dessen, was sich in der Geschichtsbetrachtung zeigt, und dass zu einer bestimmten Deutung nötigt, denken? Gibt es etwas, das man nur auf eine Weise deuten kann (oder das zumindest eine bestimmte Deutung eindeutig favorisieren lässt)?
Für Husserl gibt es zum einen die allgemeine anthropologische Anlage zur Vernunft, dann aber auch eine besondere ‚Urstiftung‘ der Idee der Philosophie als höchster Wissenschaft, die den Menschen als frei zum Gebrauch seiner theoretischen wie praktischen Vernunft perspektiviert. Was meint er, wenn er von der ‚Urstiftung‘ spricht? Denkt er dabei an das Eintreten einer Idee in das Bewusstsein der Menschheit?