Dieser Text möchte in Anlehnung an das berühmte Systemfragment von Schelling, Hegel und Hölderlin eine etwas provokante Gegenwartsdiagnose und Zukunftprognose bzgl. der Evangelischen Kirche in Deutschland abgeben.
Letztes Systemfragment des Deutschen Protestantismus. Ein Abgesang
Wir haben nichts zu bieten, außer dass die Kirchen nun einmal da sind.
Was einmal relevant war, ist nunmehr bald vorbei. Wir können zwar die vorhandenen kirchlichen Institutionen mit neuen Inhalten übertünchen oder die alten postmodern ausfransen – aber dies wird der Kirche nicht Profil verleihen, sondern sie weiter in die kulturelle Indifferenz hineinführen.
Aufgrund seines Permanentimpetus’ der kritischen Selbstvergewisserung hat der Protestantismus einige wenige Denker, die das notorische Gestaltungsproblem des Protestantismus erkennen; doch auch sie haben nichts zu ihm beizutragen. Sobald sie konstruktiv werden sollen, wandeln sich die einen zu einem biederen Steinbrucharbeiter Gottes im Canyon der abgehalfterten Ideen. Andere ergehen sich in reiner Negativität und Krisendiagnostik, inszenieren sich divenhaft als einsame Stimme einer Rufenden in der (Münchner) Wüste und schaffen sich so eine gesellschaftliche Scheinrelevanz, die sie in einer unendlichen Verwertungskette immer wieder neu ausschlachten.
Absolutheitstheoretisch hat das Christentum abgedankt und muss den Rückzug in die Gadamerschen Traditionszusammenhänge und Luhmann’schen Teilsysteme antreten, um überhaupt noch die eigene Existenz theoretisch zu begründen.
Theologen werden so zunehmend zu Experten der loci merdae – und der gemeine Protestant modifiziert am besten schon mal das Brechtsche Diktum: Stell dir vor es ist Kirche und keiner geht hin.