Warum sind uns Gefühle so wichtig? Ein Grund scheint mir zu sein, dass Gefühle deshalb von so großer Bedeutung sind, weil mein Verstand, meine Reflexion, alleine mir keinen Sinn stiften können. Jede durch Reflexion vermittelte Sinnstiftung ist gerade durch diesen reflexiven Durchgang immer schon mit dem Index meiner eigenen Sinnsetzung versehen und hebt damit die Sinnsetzung für mich in der Perspektive des Lebensvollzugs wieder auf. Nur die unmittelbaren Gestimmtheiten und Gefühle, die mich überkommen und der reflexiven Kontrolle immer zum Teil entzogen sind, können mir Sinnstiftung geben; denn allein sie tragen in ihrem phänomenalen Gehalt den Index, dass sie von außen an mich herantreten und somit ein externes Moment meiner Sinnfindung – oder besser meines Sinnerlebens – sein können.
Vielleicht hatte Martin Heidegger genau solche Motive vor Augen, als er seine auf Existenziale abzielende Fundamentalontologie entwickelte, um dem drohenden Damoklesschwert des Nihilismus philosophisch zu entgehen. Dies wäre auf jeden Fall ein Erklärungsmotiv dafür, sich in seiner Philosophie notorisch einer Vernunft- und Subjektivitätskonzeption zu verweigern und sich stets auf Vorgegebenheitsmotive und immer-schon-in-Verortungen zu fokussieren: Zur Entlastung der Sinngenese am Ort des reflektierenden Subjekts – hin zur Vorfindlichkeit der immer schon gegebenen Sinn- und Verweisungszusammenhänge in der Welt.