Hier zwei der Versuch einer ad hoc Unterscheidung zweier ähnlich klingender Wahrheitstheorien.
Pragmatische Wahrheitstheorien
“Wahr ist, was gerade funktioniert.” - Dies ist eine Theorie, die zu erfolgreichen Handlungen und Orientierungen in der Welt beiträgt. Ein klassischer Vertreter ist William James. Ein solcher Wahrheitsbegriff ist eher relativ als absolut aufzufassen.
Pragmatistische Wahrheitstheorien
Wahrheit besteht darin, dass wir Überzeugungen haben, die stabil sind. Als klassichen Vertreter kann man Charles Sanders Pierce nennen. Dies ist ein absoluter Wahrheitsbegriff: Wenn man ausschließen kann, dass noch einmal etwas Neues gefunden wird, ist man bei einer festen Überzeugungen angelangt.
Hallo
ich würde die pragmatische Wahrheitstheorie so definieren: “p ist wahr genau dann, wenn p sich als nützlich erweist.”
Bei Peirce würde ich auch nicht sagen, dass wahr für ihn diejenigen Überzeugungen, die stabil sind. Auch wenn das ganz grob schon stimmt, ist das trotzdem eine Verkürzung. Wolfgang Künne definiert Peirce’ Wahrheitstheorie so (meine Paraphrasierung): “p ist wahr genau dann, wenn p eine Überzeugung ist, die alle Forscher, die an einer ausreichend langen Untersuchung von p teilnehmen würden, teilen würden.”
Grüße,
dbH
PS: Wäre schön, wenn das blog fortgeführt wird! Ist interessant.
Vielen Dank für den Kommentar blinder Hund,
ich habe die Unterscheidung in diesem Post damals nach einem Seminar zur Wissenschaftstheorie (u.a. zu Kuhn und Feyerabend) gepostet. Beim nochmaligen Durchlesen fiel mir auf, dass meine Unterscheidung daran krankt, dass ich die differentia specifica nicht klar benenne.
Was ich damals wahrscheinlich vor Augen hatte, war dass pragmatische Wahrheitstheorien auf die Kohärenz von Handlungen abzielen, pragmatistische Wahrheitstheorien auf die Kohärenz oder sogar Konsistenz von Überzeugungen (beliefs).
Was ich damals vor Augen hatte, kann ich nicht mehr recht rekonstruieren. Heute würde ich bezweifeln, dass die beiden Label ‘pragmatisch’ und ‘pragmatistisch’ richtig gewählt sind. Zudem sehe ich heute klarer, wie umstritten die klare Unterscheidung von Überzeugungen und Handlungen in der Analytischen Ethik ist.
Von daher: Nochmal vielen Dank für deine Anregungen. Dein Kommentar hat mich wieder dazu motiviert, etwas zu posten.
Es grüßt Erasmus.
Vermutlich kann eine Kohärenztheorie der Wahrheit (“p ist wahr genau dann, wenn p sich kohärent in ein System von weiteren Überzeugungen q, r, s, usw. einfügt”) auch völlig ohne pragmatische Erwägungen (im Sinne von Nützlichkeitserwägungen) auskommen. Ich würde da jedenfalls trennen. (Ich bin mir allerdings auch nicht sicher, was du mit “Kohärenz von Handlungen” meinst.)
Das Buch von Künne, Conceptions of Truth kann ich bei dem Thema nur empfehlen. Ich hab zwar nur wenig darin gelesen, aber allein schon die Einleitung hat mir sehr geholfen, einen guten Überblick über Wahrheitstheorien zu bekommen. Der listet das sehr schön auf.
> Von daher: Nochmal vielen Dank für deine Anregungen.
> Dein Kommentar hat mich wieder dazu motiviert, etwas zu posten.
Ja klar! Mehr philosophische Blogs braucht das Land!
Grüße,
dbH