Martin Heideggers Sein und Zeit zeichnet sich durch einen gewissen Begriffsdualismus aus: Seiendes und Sein, ontisch und ontologisch, existenziell und existenzial, usw. Es handelt sich dabei jedoch um mehr als reine Begrifsklauberei. Im Hintergrund steht eine Entdeckung, die ich tatsächlich für philosophiegeschichtlich bahnbrechend halte. Diese Entdeckung betrifft unser Verständnis vom Wort „seiend“. In der Vorbemerkung seines Buches Sein und Zeit beschreibt sie Heidegger so:
Haben wir heute eine Antwort auf die Frage nach dem, was wir mit dem Wort ‚seiend‘ eigentlich meinen? Keineswegs. […] Sind wir denn heute auch nur in der Verlegenheit, den Ausdruck ‚Sein‘ nicht zu verstehen? Keineswegs. (Heidegger, Martin: Sein und Zeit, Tübingen 2006 , 1)
Heidegger weist auf eine eigentümliche Aporie hin: Wir haben zwar ein gewisses Verständnis vom Begriff „Sein“. Aber dieses Verständnis gelangt an eine Grenze: Nämlich dann, wenn wir sagen sollen, was wir mit dem Begriff „seiend“ eigentlich meinen. Dieses Auseinandergleiten von Verständnis und Entzogensein bezeichnet Heidegger mit der “ontologischen Differenz”.
Wen die ontologische Differenz in Sein und Zeit noch mehr intressiert, für den habe ich ein Referat verlinkt, das ich zu der Frage dieses Jahr gehalten habe.