Der Soziologe Ulrich Beck hat in einem Zeit Campus Interview eine sehr interessante Aussage zum Thema von Abhängigkeiten in Partnerschaften gemacht. Auf die Aussage des Interviewers:
Die meisten Menschen möchten nicht von ihrem Partner abhängig sein, sie wünschen sich eine Beziehung auf Augenhöhe.
reagierte in folgender Weise:
Das ist leichter gesagt als getan. Wenn man eine Beziehung in Gleichheit und Freiheit führt, muss man auch Situationen akzeptieren, in denen der andere gegen einen entscheidet. Man will ja keinen Liebesautomaten. Einerseits wollen wir also die Freiheit des anderen, andererseits soll er sich an die Kette unserer Wünsche, Ängste und Hoffnungen legen. Beides gleichzeitig zu wollen ist die Quadratur des Kreises, mit der wir
alle leben.
Dem würde ich voll zustimmen. Wir hängen einem sehr aufgeladenen Unabhängigkeits- und Gleichheitsideal in der Beziehung an. Gleichzeitig haben in den letzten Jahrzehnten die externen Faktoren, die eine Partnerschaft zusammengehalten haben, immer schwächer. Weder wirtschaftliche Notwendigkeiten noch die Frage des Sozialprestiges genügen als Kitt von außen – meist sind es nur noch die gemeinsamen Kinder, die diese Funktionen übernehmen können. Und auch hier tut sich das Modell Patchworkfamilie mehr und mehr als Option auf.
Am Ende können es eigentlich nur persönliche Abhängigkeiten, vor allem im psychischen Bereich, sein, die einen daran hindern sollten, eine Beziehung zu verlassen, wenn es problematisch wird. Aber genau solche Abhängigkeiten wollen wir auf den der anderen Seite vermeiden – oder sie uns nicht eingestehen – weil dies unsere Liebe entzaubern und sie in die Sphäre der banalen Zweckrationalität hineinerden würde. Doch natürlich wollen wir auch nicht, dass der/die Andere einfach geht.
Wir armen, selbstbestimmten Menschen! Wir wollen ganz frei und unabhängig sein. Aber auch nicht allein.
Hier das ganze Interview: http://www.zeit.de/campus/2011/06/studieren-sprechstunde